Herr Wosche lebte in einer kleinen Stadt, in der Jeder Jeden kannte. Auf den ersten Blick schien Herr Wosche ganz normal. Er war von langer Statur, dafür schmächtig und trug eine Glatze, alles ganz normal. Aber alle Leute fanden Herrn Wosche seltsam. Denn immer wenn Herr Wosche zu sprechen begann, dann schlenkerten seine Arme und Beine rhythmisch hin und her und sein Kopf wackelte. Es sah total schräg aus. Je schneller und lauter Herr Wosche sprach, desto wilder schlenkerte und wackelte er und manchmal kam es vor, dass er das Gleichgewicht verlor und lang hinschlug. Deswegen war Herr Wosche ständig über und über mit Schürfwunden, blauen Flecken und Pflastern übersät.
Bei jeder Gelegenheit machten sich die Leute über Herrn Wosche lustig. Wenn er beim Bäcker sagte: „Bitte ein halbes Vollkornbrot“, dann hüpfte dabei sein rechter Arm nach links und sein linkes Bein nach oben und sein Kopf wackelte wie ein Uhrenpendel hin und her. Die anderen Leute im Bäckerladen lachten sich schlapp.
Ging Herr Wosche zum Bratwurstessen in sein Lieblingsrestaurant, ging es jedes Mal schief. Denn egal ob er eine Bratwurst bestellte oder die Rechnung verlangte, immer fegten dabei seine Arme das Geschirr vom Tisch und am Ende war immer alles kaputt. Die anderen Gäste prusteten vor Schadenfreude ins Frikassé. Der Kellner aber schäumte vor Wut.
Am schlimmsten jedoch kam es, wenn Herr Wosche in einer Telefonzelle mit seiner Tante telefonierte, um sein Leid zu klagen. Er redete und redete sich so sehr in Rage, dass am Ende sein ganzer Körper in die Telefonstrippe verwickelt war und nicht mehr heraus kam. Dann stand die halbe Stadt vor dem Telefonhäuschen und hielt sich die Bäuche vor Gelächter.
Eines Tages zog ein Riese in die kleine Stadt. Als Herr Wosche einmal singend - lala lala lala - an seinem Haus vorüber zog, da mochte ihn der Riese sofort gut leiden. Der Riese lag gerade in der unteren Etage seines Hauses und schaute mit dem ganzen Kopf zur Terrasse hinaus. „Huhu“ brüllte der Riese.
Herr Wosche blieb stehen. „Wer bist du“ fragte er, begleitet vom Schlenkern seiner Arme und Beine.
„Das gibt’s doch gar nicht“ brüllte seinerseits der Riese und schlug vor Begeisterung mit seiner Hand, die aus dem Seitenfenster hing, in den Vorgarten. „Du kannst ja gleichzeitig reden und tanzen!!! So was Einzigartiges habe ich noch nie gesehen!“ Der Riese kletterte etwas umständlich aus seinem viel zu kleinen Haus. Als er schließlich auf der Straße stand, entdeckte er von oben eine geheimnisvolle, wunderschöne Blume auf der Glatze von Herr Wosche. Die Blume hatte noch nie zuvor jemand entdeckt, weil bisher noch niemand größer als Herr Wosche gewesen war.
Der Riese und Herr Wosche zogen zusammen in das kleine Haus. Wenn man an einem schönen sonnigen Tag vorbei kam, konnte man sehen wie Herr Wosche aus dem Fenster der 2. Etage lehnend mit einem Besen die Haare des Riesen kämmte, der im Erdgeschoss lag. Am liebsten aber sangen und tanzten die beiden im Garten. Der Riese hatte extra überall Moos angepflanzt, damit Herr Wosche immer ganz weich fiel, wenn seine Arme und Beine allzu sehr schlenkerten. Und übrigens, wenn man ganz höflich fragte, dann wurde man von dem Riesen hoch gehoben und durfte die Blume auf der Glatze von Herrn Wosche bestaunen.