Kranke Hülsenfrucht | 16.03.2010 |
Herr Urz interessiert sich für Krankheiten. Nachdem wir die Besonderheiten von Aids (uff) und der Pest besprochen haben, fragt er:
"Wie war das noch mal mit der Nuss?"
Ich: "Welche Nuss?"
Er: "Na Tetanus!"
Kranke Hülsenfrucht | 16.03.2010 |
Herr Urz interessiert sich für Krankheiten. Nachdem wir die Besonderheiten von Aids (uff) und der Pest besprochen haben, fragt er:
"Wie war das noch mal mit der Nuss?"
Ich: "Welche Nuss?"
Er: "Na Tetanus!"
Sausi und Musi bis zum Erbrechen | 30.01.2010 |
Manchmal passiert das Unbegreifliche: Herr Schlönske findet ein blödes Buch toll. Statt mit Riese Rick zu trällern, hat er sich gerade in den Kleinkind-Schmöker "Mausi & Susi" verliebt. Jeden Abend maust und sust es bei uns in so klangvollen Sätzen wie: "Mausi und Susi schwitzen!", "Da hat Mausi eine Idee!", "Susi nimmt den Schlauch und füllt Wasser ein." Für die richtige Zielgruppe mag das angemessen sein, aber Herr Schlönske... ich weiß ja nicht.
Um es mir leichter zu gestalten, habe ich vor ca. 3 Wochen mit maßlosem Vorleseverhalten begonnen. Das äußert sich wie folgt: "Mausi und Susi schwitzen!" (ich wische mir mit ausholender Geste die Stirn und sinke schielend ermattet zu Boden, mir heftig Luft zu fächelnd) oder "Ohhh!!!!!" (mit entsetztem O-Mund und die Hände vor das Gesicht schlagend) oder "Das Wasser läuft aus!!!" (extrem entsetzter Gesichtsausdruck, angsterfüllt ob der ungewissen Planschbecken-Zukunft). Dummerweise habe ich mit diesem Verhalten Herr Schlönskes Mausi & Susi-Sucht unnötig angestachelt.
Seit einer Woche befinden wir uns auf einem neuen Level, denn ich kann diese Sätze nicht mehr ertragen. Die Wörter werden beim Vorlesen wahllos eingetauscht, etwa so: "Sausi & Musi schwitzen! Da hat Sausi Schmierpopel! Sie saust in die Tiefkühlbox. Musi nimmt den Schlauch und füllt Hackfleisch ein. Ooooooohhhhh!!!! Das Grungsbecken hat Geknatter!!! Sausi klebt das Loch mit Frisuren zu. Das hält! (hier: erhobene Daumen-Geste) Und jetzt ab in die Schleimbrühe!"
Natürlich muss ich mir jeden Abend andere Varianten einfallen lassen. Und ich muss nicht dazu sagen, dass Herr Schlönske sich hierbei vor Lachanfällen schüttelt. Wie lange wird die Sausi & Musi-Phase noch andauern??? Werde ich es überleben?
Neues Wort | 17.12.2009 |
Herr Schlönske hat die Welt der Begriffe verstärkt. "Du bist ein Klälä", offerierte er mir gestern. Was ist ein Klälä? Antwort: "Ein Dappn!" Aber was ist dann ein Dappn?
Mittlerweile werden beide Schöpfungen als Wortkombination genutzt: Du Klälä-Dappn. Wir haben uns alle spontan für eine positive Konnotation entschieden, im Sinne von "Du Schlawiner, du Schwerenöter..." Es ist eben nicht so einfach, mit völlig neuen Wörtern umzugehen.
Ich wünsche allen ein frohes Fest mit vielen Klälä-Dappn!
Bald geschafft! | 13.12.2009 |
Nicht mal mehr zwei Wochen zum Fest, dass uns die besten Familienkräche des Jahres beschert! Bald kommt der "Weimarmanns", wie Herr Urz ihn als Kleinkind bezeichnete. Als ich Kind war, schmetterte ich in der Weihnachtszeit mit dem Michael-Prätorius-Chor Lieder in allen Kirchen von Halberstadt. Und Voila, in der Weihnachtsgeschichte von Carl Orff, befand ich mich im Gefolge des dritten Heiligen König Balthasar. Rabenschwarz angemalt durfte ich eine Schatulle mit Edelsteinen in Bethlehems Stall tragen. Hinterher bekamen wir alle Westsüßigkeiten (typisch Kirche). Zu Hause besuchte uns dann statt des Christkindes, der Weihnachtsmann. Ich stand auf dem Flur der kalten Altbauwohnung, während Mami und Großmutti drinne räumten und taten und immerzu riefen, ich dürfe noch nicht reinkommen, der Weihnachtsmann wäre noch im Wohnzimmer. Dabei wollte ich den doch auch sehen! Als ich dann reindurfte, und kein einziger Mann weit und breit zu sehen war, fragte ich: "Wo isser denn. Heraus gekommen ist jedenfalls niemand!" Dann speiste man mich mit der Geschichte ab, der Weihnachtsmann wäre schon zum Fenster heraus geflogen. Als Kind muss man ganz schön viel herunterschlucken. Was aber das größte Rätsel für mich damals war: Jesus, geboren in der Heiligen Nacht und gekreuzigt zu Ostern - wie hat der all die guten Taten in nur vier Monaten schaffen können???
Herr Schlönske und ein Strategiespiel | 12.11.2009 |
Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie wohnt in dem kleinen Herrn Schlönske ein politisches Talent. Schon jetzt, im zarten Alter von noch nicht einmal vier Jahren, weiß er mit perfider Taktik Gemütszustände seiner Mutter auszunutzen!
Draußen wütet der November, der Himmel ist grau, die Luft nass und die Leute haben ihre Gesichter zu Bommeln geflochten. Schlimme Dinge sind im November noch schlimmer, zum Beispiel früh aufstehen. Es ist also ein garstiger Novembermorgen, Sonntag immerhin. Herr Schlönske hält das nicht von seinem Bio-Rhythmus ab. Um sechs Uhr dreißig begehrt er Einlass ins "große Bett". Er hat sehr wohl die negativen Geräusche seiner Mutter gehört, das Bedenken, ja den Unmut in ihrem Gesicht gelesen. Er weiß, jetzt ist Behutsamkeit gefragt. Mit Fingerspitzengefühl und Samthandschuhen windet er sich aus der heiklen Lage, denn den Rückzug lehnt er seinem Alter gemäß ab. Herr Schlönske will seinen Willen durchsetzen und am Ende trotzdem gut da stehen. Und er schafft es, die Situation, über die er bereits mit morgendlicher Gewalt entschieden hat, wieder in einen vagen Zustand zu versetzen. Er schafft es, in dem er mich mit einer einzigen Frage in dem Glauben wiegt, ich allein könne noch etwas an der Situation ändern! Als ob ich noch eine Wahl gehabt hätte!
Herr Schlönske rückt also die Decke zurecht, lächelt still und flüstert: "Mama, wann sind wir wach?" Seufzend erwidere ich: "Jetzt. WIR SIND JETZT WACH." Herr Schlönske hat gewonnen, auf ganzer Linie.
Artgerechte Haltung von Jungferngeckos | 11.10.2009 |
Meine Kinder haben sich verwandelt. Sie stopfen sich gegenseitig in längst zu klein gewordene Strampelsäcke, kriechen auf dem Boden herum und miepsen und glucksen dabei wie zurück gelassene Pandabären. Sie nennen sich jetzt "Jungferngeckos". Wie sie auf diesen Namen kommen - ein Rätsel. Der Lebensraum der Jungferngeckos ist vergleichbar mit Schichtsalat. Zuerst werden Deckbetten und Kopfkissen auf dem Fußboden ausgebreitet - möglichst frisch gewaschen. Darauf verteilen sie sämtliche Möbel aus dem Kinderzimmer - sofern beweglich. Dann holen sie sich alle restlichen Decken aus der Wohnung und behängen auch diese Installation. Die Jungferngeckos liegen in ihrem Bau und verlangen nach Gummibärchen, immer begleitet von Tönen wie "iuh" und "miep". Wenn diese Bitte nicht fruchtet, trägt Herr Urz, den kleinen Herrn Schlönske in mintfarbene Babydecken gehüllt vor die Schwelle meines kleinen Arbeitszimmers. Es gibt kein Entrinnen vor dem "iuh" und "miep". Ich steige über das winselnde Bündel und gebe mich selbst den Gummibärchen hin. Wann wird endlich wieder Sommer?
KannichCola? - ... | 20.09.2009 |
... ist ein sehr verbreiteter Satzaus dem Umfeld Heranwachsender. Man hört ihn in allen Bundesländern und sogar in Kriminalfilmen des öffentlich rechtlichen Fernsehens. In KannichCola? liegt eine ungeheure Wucht der Emanzipation. Er bedeutet das Lossagen von der jahrelangen, naturtrüben Apfelschorle. Er drückt den Willen zur Selbstbestimmung aus - und zwar mit allen Konsequenzen des Colagenusses wie Zahnfäule und Speckrollen. Mehr Eigenverantwortlichkeit kann man von Kindern wirklich nicht verlangen!
Herr Schlönske und das repetetive Element | 07.09.2009 |
Ursprünglich zeigte sich das repetitive Element bei Herrn Schlönske nur im Einfordern der Antworten. Er wiederholte seine Frage so lange, bis er von seinen - meist in Texte vertieften - Eltern eine wuterstickte Antwort bekam. Mit den Jahren verfeinerte er sein Talent. Ganz hoch im Kurs steht zur Zeit die Kunst der Mutmaßung. Beispiel: Wir sehen eine Spinne. Am nächsten Tag ist sie weg. Jetzt mutmaßen wir abwechselnd, wo die Spinne sein könnte: An der Tankstelle oder zum Einkaufen oder sie schläft oder sie baut einen Turm oder sie besucht ihre Spinnenoma oder sie ist zum Netz-TÜV oder beim Frisör oder auf dem Spielplatz oder immer so weiter bis wir zu Hause sind.
Ein anderes Thema bestand darin zu mutmaßen, was andere Kinder von der Dutschi-Fee für ihre Dutschis erhalten haben könnten. Herr Schlönske erhielt ein Schiff. Andere könnten bekommen haben: Ein Auto oder einen Teddy oder Lego oder ein Buch oder einen Kran oder einen Bagger oder Stifte oder ein Bild oder Kirschen oder einen Dino oder...
Seit ein paar Tagen sind wir dabei auszuloten, was man alles nicht essen kann: Ampeln oder Schienen oder Mülltonnen oder Katzen oder Fenster oder Bäume oder Autos oder Betten oder Tische oder Computer oder Hundekacke oder Fliegen oder Zeitungen oder... und manchmal weiß ich einfach nicht mehr weiter.
Geschlechterkampf | 30.08.2009 |
Herr Urz und Frau Pupse sind 8 und 7. Die schönen Namen gaben sie sich bereits im Vorschulalter. Das ist nämlich lustig, wenn man wie stinkende Luft heißt.
Dabei haben Pupse Kinder schon oft zu Philosophischen angestiftet. Ein Kind aus meiner ungewöhnlich weitläufigen Verwandschaft konstatierte ernst: "Pupsen ist halbschön." Und das stimmt! "Wenn man pupst", erklärte er, "weicht der Druck und es ist angenehm. Aber dann stinkt's, und es ist nicht mehr so schön." Also: Halbschön. Was zu beweisen war.
Herr Urz und Frau Pupse sind noch jung an Jahren, aber reich an Eheerfahrung. Den ersten Tag lieben sie sich, am zweiten beginnen sie, sich aus dem Weg zu gehen und am dritten kracht's. Da kann dann auch die gerade per BUGA hergerichtete thüringische Landschaft nichts mehr besänftigen. Herr Urz stampft mit bockig verschränkten Armen über die Wiese, das Gesicht zur Bommel geflochten. Nein, eigentlich ist es schon ein Panzer, den er im Gesicht trägt. "Herr Urz, was gibts" erkundigen sich die Erwachsenen sonntagslahm. Herr Urz: "Die heult schon wieder." Dann kommt Frau Pupse weinend, aber nicht minder bockig angeschlichen. Schluchzend erklärt sie: "Der führt schon wieder andere Mädchen im Schilde."
So erfährt eine noch so junge Beziehung militärische Konnotation. Von wem sie das nur haben?
Schlaf schön, kleine Locke | 24.08.2009 |
Vorlesen ist wichtig für Kinder. Sie werden davon schlaue Kerlchen und lernen die Tücken der Welt der kennen. Der kleine Herr Schlönske ist dreieinhalb, sein größter Held ist die Lokomotive, genannt Locke. Alle prämierten und ausgezeichneten Bücher sind null und nichtig, wenn er zufällig auf unseren uralten Flohmarkt-Klassiker stößt: Dampflokomotiven, Verlag Slovart, 1985
Und so lesen wir also: IVK 1892, 4 Zylinder, Verbundmaschine, Nassdampf, 750mm (S. 94): "Die Vierzylinder-Verbundmaschine fand nicht nur bei Schnellzuglokomotiven Anwendung, sondern auch für Lokomotiven auf Strecken mit scharfen Kurven (olala). Das gegliederte Drehgestell der Lokomotive bot geradezu den Einsatz der Verbundmaschine an. Das Sytem Günther-Meyer verbreitete sich nur in Sachsen auf der Normalspur (welch ungeahntes Lokalkolorit!). Am bekanntesten wurden Schmalspurlokomotiven, die bereits das zehnte Betriebsjahrzehnt erlebten."
An dieser spannenden Stelle bricht Herr Schlönske ab und entscheidet sich gegen die geliebte Locke und doch für den Klassiker: Die Hex will eine Reise machen. Herr Schlönske ist also nicht verbohrt, sondern geistig durchaus sehr beweglich, und das so kurz vor der Nachtruhe. Ich bin sehr froh.
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