blogage.de > Ich habs ja geahnt
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Meinem Literaturkalender - ein Weihnachtsgeschenk - entnehme ich, dass Paul Scheerbart am 8. Januar Geburtstag gehabt hätte (geboren 1863). Ich kenne ein paar Sätze von Paul Scheerbart, z.B.

Glück ohne Glas / wie dumm ist das!

Das Ungeziefer ist nicht fein / ins Glashaus kommt es niemals rein!

Brennbare Materialia / Sind wirkliche Scandalia!

Das Glas bringt alles Helle / Verbau es auf der Stelle!

Das Glas bringt uns die neue Zeit / Backsteinkultur tut uns nur leid!

Historische Werbesprüche, so richtig verwegen. Macht heute keiner mehr. Es handelt sich um Werbung für den Baustoff Glas und sie prangten an dem Glashaus von Bruno Taut. Kaum ein anderes Gebäude der Werkbund-Ausstellung von 1914 ist so verlacht und gleichzeitig so bewundert worden. Ein eigenwilliger Reclamepavillon und außerordentliche Werbemaßnahme.

Und so sah das Glashaus aus: >http://www.museumderdinge.de/pflegschaften/?a=details&i=69<

Aus einem runden Betonsockel, von gläsernen Kugeln gesäumt, erhob sich ein riesiges Prisma, gestützt von dünnen Pfeilern. Die gläserne Kuppel mit den rautenförmigen Glaselementen hatte die Form einer riesigen Knospe. Im Volksmund hieß der Pavillon scherzhaft Spargelkopf, denn bei schlechtem Wetter verfärbten sich seine schuppenartigen Glasflächen grün. Des Nachts funkelte er, von innen illuminiert, wie ein Kristall. In den Innenräumen wurde es den Besuchern sicher ziemlich blümerant: Überliefert ist das betörende Zusammenspiel von Spiegelfacetten, milchigen Lichtkugeln, murmelnden Wasserkaskaden, einem Kuppelhimmel voller Lichttrauben und spiralförmigen Linien. Da wäre ich gern mal rein gegangen!

Übrigens, was Taut und Scheerbart verband, war die Freude an allem Schwebenden. Das Abzielen auf einen Schwebezustand und eine gewisse Ironie, die sich des komischen Effektes bediente, erinnern an die Frühromantik. Vielleicht könnte die Glasarchitektur von Taut und Scheerbart als Verwirklichung der progressiven Universalpoesie von Schlegel interpretiert werden. Jawoll - ich hab studiert!!! :-)

 

Daft

13.12.2009

Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass Art of Noise die CD "Daft" heraus brachte. Heute klingt sie seltsam verschlafen, weil die Musikentwicklung inzwischen die Beine in die Hand genommen hat. Wenn aber diese CD erklingt, gerade der erste Titel, dann muss man sich hinsetzen und ganz tief Luft holen und sich sehr zusammen reißen, um nicht anzufangen mit "Früher, da war alles..."-Sätzen. "Daft" ist eine CD, bei deren Konsum die Jahreszeit keinen Einfluss hat. Die Musik steht für sich. Sollte man unbedingt im Repetoire haben. Die Franzosen "Daft Punk" wiederum setzten 1997 mit dem Album "Homework" neue Maßstäbe, aber das ist eine andere Geschichte...

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