Besetzt | 14.01.2010 |
Ehe-Talk | 14.01.2010 |
"Zwitschert da meine Lerche, rumort das Eichhörnchen da draußen?"
So ruft der Ehemann seine Frau in "Nora, ein Puppenheim" von Henrik Ibsen.
Fragen an G.H. Irn | 11.01.2010 |
Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas! Das hat viele gute Gründe. Aber wer wusste schon, dass sich in Bochum Kinder mit ihrem Gehirn unterhalten? Die Ruhr-Universität Bochum und die International Graduate School of Neuroscience rührte das ein und veröffentlichte die phantastischen Ergebnisse in der Broschüre "Geistesblitze". Herausgekommen ist eine originelle, sprachgewandte, witzige und kenntnisreiche Lektüre, nach der man nicht nur mehr vom Gehirn versteht, sondern auch von dessen etwa 12jährigen Trägern und Trägerinnen. Wer also gern wissen möchte, warum Kinder in diesem Alter Wutanfälle bekommen, oder ihr Zimmer auch nach zehn Ermahnungen nicht aufräumen, sollte eine Konfrontation mit diesen Unterhaltungen nicht scheuen.
Die Interviews sind meist in sehr freundlichem und zuvorkommendem Ton gehalten, bis auf kritische Sonderfälle, in denen das Gehirn ausbüxt, um eine Leber zu heiraten, oder den Körper zum Rollentausch überredet. Wissenswerte Angaben:
Ein Gehirn kann auf über 200 Sprachen schweigen!
Das Gehirn wohnt in einem 1-Zimmer-Appartement und hält sich mit Joggen fit.
Die Ehefrau des Gehirns ist die Lunge, sie versorgt ihren Mann mit Sauerstoff.
Die politische Landschaft um das Gehirn herum besteht aus den Parteien WIB (Wirbelsäule) und RÜM (Rückenmark), deren Stimmen außerordentlich wichtig sind.
Wird es traurig, sendet das Gehirn Heulbefehle an Uschi und Ursula, die Augen.
So, und was mach ich heute noch mit meinem Gehirn? Ich frag einfach mal: "Hallo Gehirn!"
Gehirn: "Hallo Judith!"
Ich: "Wollen wir heute noch denken?"
Gehirn: "Nein, du bist müde."
Ich: "Also, das hätteste auch mal früher sagen können."
Schwamm drüber...
Wohnst Du noch? | 05.01.2010 |
Auf Charming Quark (siehe Blogempfehlungen) gibt es einen interessanten Artikel zum Wohnen. Schaut doch einmal rein.
"Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck | 03.01.2010 |
Der Gärtner schneidet die Büsche, gießt die Rosen, legt Drainagen unter Erde, um die Bäume besser zu bewässern. Im Herbst verbrennt er das überschüssige Laub. Er verbindet die Bäume, damit die Rehe nicht an der Rinde knabbern. Er tut, was im Frühling, Sommer, Herbst und Winter getan werden muss, Jahr ein, Jahr aus. Ein stetes Gedeihen und Vergehen auf dem Grundstück rund um das Haus am Märkischen Meer.
Verlassen die Hausbesitzer im Winter ihre Sommerfrische, stellt der Gärtner das Wasser im Haus ab. Der Sommer kommt und geht, genauso wie die Besitzer des Grundstücks, des Hauses, des Badehauses, des Obstgartens. Kommen und gehen, aber niemals scheinen die Besitzer anzukommen. Ihre Schicksale sind geprägt von Träumen, Ängsten, Realitäten. Letztere ändern sich mit der Zeit: Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazizeit, Krieg, DDR, Wende…
Die Menschen, deren Lebensgeschichten dieses Haus kreuzen, sind nie Sieger. Das Haus wird heimgesucht von Emporkömmlingen, es erduldet Straftaten, es hütet Geheimnisse. Das Haus ist ein Kleinod mitten in ergreifend schöner Natur und doch findet niemand hier den ewigen Frieden, niemand eine dauerhafte Heimat.
Am Ende, wenn das Haus kaputt ist, muss auch der Leser Abschied nehmen von diesem Haus, von dem er inzwischen jedes Detail kennt. Das Haus ist ihm vertraut geworden, genauso wie seine Menschen. Zum Beispiel Klara, die nicht dazu kommt, das Grundstück in eine Ehe mitzubringen, weil sie vorher wahnsinnig wird. Oder der Architekt des Hauses, der zur Gruppe Albert Speer gehörte und dessen Frau früher eine Zirkusprinzessin werden wollte. Ein Rotarmist bohrt am Ende des Krieges mit nur einem Wort ein Loch in ihre Ewigkeit. Der Tuchfabrikant und seine Familie enden in den Gaskammern. Ein Ostdeutsches Schriftstellerehepaar arrangiert sich. Der heiß geliebte Kinderfreund wird später als Mann verschmäht. Die Unterpächter lieben das Segeln, nach all den Jahren im Gefängnis, weil die Flucht in jener Nach missglückte.
Noch tagelang gehen einem diese ganzen Schicksale im Kopf herum. Es ist ganz richtig im Klappentext zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck bemerkt: "Worin das Geheimnis dieses Romans besteht, woraus sich sein Glanz, seine Wucht und seine eminente Dramatik entfalten, ist schwer zu sagen." Die poetische Sprache, die eigene Atmosphäre der verschiedenen Kapitel, die psychologische Tiefe, die erst mit der Zeit hinter den Figuren hervortritt – all das berührt. Ich habe lange nicht mehr so ein beeindruckendes Buch gelesen.
Fundstück! | 29.12.2009 |
Unser schönes Berlin wird sauberer sein,
denn wir haben den kalten Kriegern am Rhein,
ihre Menschenfalle verriegelt
und mit rotem Wachs versiegelt.
Der helle Berliner sagt: „Prima, das reinigt so dufte das Klima.“
Lied im Radio DDR am 13. 8. 1961
Neues Wort | 17.12.2009 |
Herr Schlönske hat die Welt der Begriffe verstärkt. "Du bist ein Klälä", offerierte er mir gestern. Was ist ein Klälä? Antwort: "Ein Dappn!" Aber was ist dann ein Dappn?
Mittlerweile werden beide Schöpfungen als Wortkombination genutzt: Du Klälä-Dappn. Wir haben uns alle spontan für eine positive Konnotation entschieden, im Sinne von "Du Schlawiner, du Schwerenöter..." Es ist eben nicht so einfach, mit völlig neuen Wörtern umzugehen.
Ich wünsche allen ein frohes Fest mit vielen Klälä-Dappn!
Plausch im Aldi | 15.12.2009 |
Im Aldi an der Kasse stehen zwei Jungen, ein großer und ein kleiner. Sie unterhalten sich über Musik. Sagt der Kleine: "Die Texte von dem sind voll krass, aber ich mag ihn."
Sagt der Große: "Welche Texte?"
"Na die er singt", sagt der Kleine.
Der Große: "Deutsche Texte?"
Der Kleine: "Nein, englische. Aber die Übersetzungen sind voll krass."
"Ach", antwortet der Große, "ich mag keine deutschen Texte. Ich mag lieber englische, wo ich nichts verstehe."
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Bald geschafft! | 13.12.2009 |
Nicht mal mehr zwei Wochen zum Fest, dass uns die besten Familienkräche des Jahres beschert! Bald kommt der "Weimarmanns", wie Herr Urz ihn als Kleinkind bezeichnete. Als ich Kind war, schmetterte ich in der Weihnachtszeit mit dem Michael-Prätorius-Chor Lieder in allen Kirchen von Halberstadt. Und Voila, in der Weihnachtsgeschichte von Carl Orff, befand ich mich im Gefolge des dritten Heiligen König Balthasar. Rabenschwarz angemalt durfte ich eine Schatulle mit Edelsteinen in Bethlehems Stall tragen. Hinterher bekamen wir alle Westsüßigkeiten (typisch Kirche). Zu Hause besuchte uns dann statt des Christkindes, der Weihnachtsmann. Ich stand auf dem Flur der kalten Altbauwohnung, während Mami und Großmutti drinne räumten und taten und immerzu riefen, ich dürfe noch nicht reinkommen, der Weihnachtsmann wäre noch im Wohnzimmer. Dabei wollte ich den doch auch sehen! Als ich dann reindurfte, und kein einziger Mann weit und breit zu sehen war, fragte ich: "Wo isser denn. Heraus gekommen ist jedenfalls niemand!" Dann speiste man mich mit der Geschichte ab, der Weihnachtsmann wäre schon zum Fenster heraus geflogen. Als Kind muss man ganz schön viel herunterschlucken. Was aber das größte Rätsel für mich damals war: Jesus, geboren in der Heiligen Nacht und gekreuzigt zu Ostern - wie hat der all die guten Taten in nur vier Monaten schaffen können???
Vergangenes | 11.12.2009 |
Auf dem Johannisfriedhof hinter dem Grassimuseum wird der Spaziergänger mit Identität konfrontiert. Auf den Grabplatten stehen nicht nur Namen und Daten, sondern auch der jeweilige Beruf: "Tapezierer" z.B., oder "Tischlerobermeister und Stadtältester" oder "Bürgerin und Hausbesitzerin". Jeder hatte seinen Platz, der Beruf begleitete die Menschen durch das ganze Leben. Ein komplett anderer Arbeitsbegriff steckt dahinter, Stolz auf das, was man geschaffen und getan hat. Kannste was, biste was! Trotz einiger Beerdigungen der letzten Jahre, bin ich mit den Grabinschriften heute nicht so ganz vertraut. Aber sicher steht nirgendwo zu lesen: Simone Schmidt, Sachbearbeiterin. Aber warum eigentlich nicht?
Grassimuseum und Johannisfriedhof - ein Ort, dem ich Jedem nur dringend ans Herz legen kann. Der Museumspädagoge Wagenknecht erzählte mir, dass ein ganz ähnlicher riesieger Art Deko-Bau in Form einer Markthalle in Saigon steht.
Die letzte Beerdigung auf dem Johannisfriedhof fand am 24. 12. 1883 statt. Die Johanniskirche wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Es liegen dort u.a. Käthchen Schönkopf (die Jugendfreundin Goethes), Dr. Schreber (der „Erfinder“ unserer Schrebergärten), die Mutter und die Schwester Richard Wagners, Adam Friedrich Oeser (der Direktor der Leipziger Zeichenakademie) und Johann Sebastian Bach (bis zu seiner Umbettung in die Thomaskirche) begraben.
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