blogage.de > Ich habs ja geahnt
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Der Klimagipfel steht bevor. Die Menschen spielen verrückt. Zu Recht! Etwas Schlimmes ist geschehen. Durch die Erderwärmung schmilzt das Polareis. Die Wärme frisst sich in  die weißen Schichten, tief ins kristallene Innere, da wo seit Jahrtausenden gefährliche Substanzen ruhen. Das Eis schmilzt und die gefährlichen Substanzen geraten in die Erdatmosphäre. Forscher haben unlängst in der Luft eine Anreicherung von Steinzeit-Hormonen festgestellt. Durch die Schmelze wurden sie frei gesetzt und mit den Fönwinden nach Europa geweht. Nun haben wir den Salat. Die Steinzeit-Hormone sind im Vergleich zu unserer Hirnstruktur mächtig unterentwickelt und lösen daher - schnuppert man zuviele von ihnen ein - niederträchtige Beweggründe in uns aus. Ein Beweis dafür sind die unzähligen Erwachsenen, die sich - eigentlich mit Verstand gesegnet, so nimmt man gemeinhin an -  mit Weihnachtsmützen bedecken, deren Bommeln bei Bedarf blinken. Viele Kreaturen trinken ohne Maß und singen schmutzige Lieder. Einige finden deshalb nicht mehr den Weg nach Hause und verbringen Stunden in Kaufhäusern, weil diese beheizt sind. In einigen besonders schweren Fällen ist es schon vorgekommen, dass sie sich - meist in der Zeit Ende Dezember - mit Verwandten austauschen, mit denen sie sonst niemals reden. Unzählige Hilferufe der Menschen in diesem Land sind im Umlauf. Weil sich die Meisten für den Befall von Steinzeit-Hormonen schämen, haben sie eine Geheimsprache entwickelt. Auf den Hilferufen  in Form von rechteckigen Karten stehen  Dinge wie: "Wir wünschen euch einen fleißigen Weihnachtsmann!" Niemand hat bisher den Sinn dieser Formulierungen heraus gefunden. Die Regierung unternimmt nichts zur Rettung der Hormon-Opfer. Das Thema wird tot geschwiegen und mit Kling Glöckchen Klingeling vertuscht.

In den gefährlichen Sümpfen des Auwaldes muss man sich vorsehen. Jeden Moment können Piraten aus dem Laub springen. Die wilden Tiere halten gerade Fiesta, deshalb wagen wir uns für eine Stunde in den Wald. Leise...

... bauen wir eine Bleibe für all jene Kreaturen des Waldes, die noch kein Versteck gefunden haben. Der Winter steht vor der Tür. Während Herr Urz eine Bank bastelt, attestiert Herr Schlönske den Bäumen eine Krankheit. Schließlich haben sie keine Blätter mehr. Da schwimmt ein Biber still vor sich hin trudelnd an uns vorbei. Ein echter, lebendiger, in freier Wildbahn - hab ich noch nie gesehen. Uups, das heißt ja, die wilden Tiere sind erwacht, jetzt aber schnell abhauen!

Ich lese gerade den neusten Fall von Kommissar Adamsberg. Da entwirft Fred Vargas ein Bild, dass mich seit Tagen nicht mehr loslässt: Vor einem Friedhof stehen 19 Paar Schuhe auf dem Fußweg. Das Besondere an ihnen: Die Füße stecken noch drin. IGITT!!!

Tag 1

Da fing es an. Irgendwann erreicht mein kleines Arbeitszimmer dieses Geräusch, ein ganz kurzes "Bick". Irgendwie klingt es elektronisch. Ein falsch eingestellter Wecker (hat Herr Schlönske an der Uhr rumgespielt)? Jedoch, ein kurzer Gang duch die Wohnung bringt keine Erkenntnis. "Bick", macht es wieder. Na ja, so wie es gekommen ist, wirds auch schon wieder aufhören. Ich hab sowieso Termine und verlasse das Haus.

Tag 1, Nachts

Es ist irgendwie gespenstisch. Das "Bick" vom Nachmittag hab ich längst vergessen, deshalb trifft mich das erneut wahrgenommene Geräusch mit voller Wucht. Am früheren Abend kann ich es noch ignorieren. Dann aber zerreißt es immer wieder die Einschlafstunde. "Bick." Mir kommt die zündende Idee: der Kühlschrank!!! Unser Kühlschrank beginnt zu piepen, wenn die Temperatur fällt, weil jemand die Tür nicht richtig geschlossen hat. Vielleicht hat unser Kühlschrank ein Problem. Ich kann aber nichts entdecken und lege mich wieder hin. "Bick." Der Mann kommt nach Hause. Er flüstert im Dunkeln: "Was ist das für ein Geräusch?" - "Ich weiß nicht, es ist schon den ganzen Tag da." "Bick." Es gelingt mir, zu schlafen. Mitten in der Nacht werde ich wach. "Bick." "Bick." Manchmal werden die Abstände zwischen den "Bicks" kürzer. Was, wenn es sich um etwas Gefährliches handelt. Ich schleiche im Dunkeln durch die Wohnung. Überprüfe Telefone, betrachte argwöhnisch Walkie Talkies im Kinderzimmer. Nichts, nur: "Bick"! Irgendwann finde ich zum Schlaf zurück.

Tag 2

Morgens verkündet der Mann: "Ich habe den Kühlschrank ausgeschaltet, es muss von hier kommen." "Bick", verneint es sofort. "Es kommt aus dem Flur", sage ich. "Hörst du das nicht?" Oder der Internetzugang hinterm Schrank? Der Mann überprüft Ein- und Ausgänge. Ich schüttele alte Batterien, stülpe alle Jackentaschen nach außen. "Bick." Der Ton hat sich verändert, ist fordernder geworden, metallischer, schneller. AGGRESSIV. "Bick." Herr Urz geht in die Schule. Der Mann bringt Herrn Schlönske in den Kindergarten. Um mich kümmert sich niemand. Ich bleibe allein mit "Bick". Es muss aus dem Flur kommen, soviel ist klar. Vermutet man es auf der einen Seite, klingt das nächste "Bick" wie von anderswo. Seltsame Akustik gibt es in unserer Wohnung. Plötzlich habe ich eine Idee. Ich klettere auf einen Stuhl und begutachte das Chaos auf dem Flurschrank. Staubsauger, Raclette, Fahrradhelm, Kartons... und das hier, was ist das für eine runde weiße Dose. Ich wiege sie in der Hand. Sieht aus wie ein Silberfischköder. Auf dem Schrank??? Plötzlich macht das weiße Ding "Bick"!!! KREISCH! Es fällt herunter. Alles klar. Wieder eine der Schnapsideen der buckligen Verwandtschaft: ein Rauchmelder! Achtlos auf den Schrank geworfen. Und jetzt: Batterie leer. Will Saft. Das Ding? Das Ding nervt seit 2 Tagen???!!! Wo kann man es abstellen? Es gibt keinen Knopf, ich kriege es auch nicht auf und hämisch brüllt es immerfort "Bick", "Bick", "Bick". Ich öffne den Balkon, schiebe es unter den indischen Plastikteppich und stelle ein Sixpack Bier obendrauf. Jetzt Balkontür zu. "Bick." Ich kann es immer noch hören. Aber leiser. Dafür haben die Anwohner jetzt etwas davon. Ich beginne zu arbeiten und nehme meine Termine wahr.

Zum Abendbrot macht es auf dem Balkon immer noch "Bick". Der Mann und ich tauschen Blicke. "Ich habe es ausgesperrt." Der Mann grinst, holt das "Bick" herein. Plötzlich lässt es sich ganz leicht aufdrehen. "Warum nimmst du nicht einfach die alte Batterie raus?" Pffhhhhh... Ich habs schließlich entdeckt. So. "Bick."

Jeder ist heutzutage geistreich. Du kannst nirgendwohin gehen, ohne geistreiche Leute zu treffen. Das ist förmlich zu einer öffentlichen Plage geworden. Ich wünschte zum Himmel, wir hätten noch ein paar Dummköpfe übrig behalten

Oscar Wilde

aus: Mein Freund Bunbury

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie wohnt in dem kleinen Herrn Schlönske ein politisches Talent. Schon jetzt, im zarten Alter von noch nicht einmal vier Jahren, weiß er mit perfider Taktik Gemütszustände seiner Mutter auszunutzen!

Draußen wütet der November, der Himmel ist grau, die Luft nass und die Leute haben ihre Gesichter zu Bommeln geflochten. Schlimme Dinge sind im November noch schlimmer, zum Beispiel früh aufstehen. Es ist also ein garstiger Novembermorgen, Sonntag immerhin. Herr Schlönske hält das nicht von seinem Bio-Rhythmus ab. Um sechs Uhr dreißig begehrt er Einlass ins "große Bett". Er hat sehr wohl die negativen Geräusche seiner Mutter gehört, das Bedenken, ja den Unmut in ihrem Gesicht gelesen. Er weiß, jetzt ist Behutsamkeit gefragt. Mit Fingerspitzengefühl und Samthandschuhen windet er sich aus der heiklen Lage, denn den Rückzug lehnt er seinem Alter gemäß ab. Herr Schlönske will seinen Willen durchsetzen und am Ende trotzdem gut da stehen. Und er schafft es, die Situation, über die er bereits mit morgendlicher Gewalt entschieden hat, wieder in einen vagen Zustand zu versetzen. Er schafft es, in dem er mich mit einer einzigen Frage in dem Glauben wiegt, ich allein könne noch etwas an der Situation ändern! Als ob ich noch eine Wahl gehabt hätte!

Herr Schlönske rückt also die Decke zurecht, lächelt still und flüstert: "Mama, wann sind wir wach?" Seufzend erwidere ich: "Jetzt. WIR SIND JETZT WACH." Herr Schlönske hat gewonnen, auf ganzer Linie.

 

Einen Köter zum Angeln haben wir schon gefunden. Sonst beißen ja die Fische nicht an... Hahahahaha

 

Can i have an after beat?

(Kann ich einen nachschlag haben?)

 

me nothing - you nothing

(mir nichts - dir nichts)

 

He lays in the last trains.

(Er liegt in den letzten Zügen.)

 

my dear Mister Singing Club

(mein lieber Herr Gesangsverein)

 

Egg, Egg, what i see?

(Ei, ei, was sehe ich da?)

Ode ans Laufen

30.10.2009

Die Tür fällt ins Schloss und im Ohr spacken Kraftwerk mit Boing bum tschak meine roboterfühligen Beine, die Straße runter,  noch leicht nachfedernd, die Atmung regulierend, Ampeln ignoriert, die würzige Waldluft ist nahe, lässt hoffen, vorbei an Pippis Grab, ein Handkuss durch die Luft, und schon drei Hundehaufen elegant umschifft, orangerote Blätter umnieseln meinen Tunnelblick, Lautstärke rauf, jetzt flehen Abba immer lauter um die glamourösen Discoqueens dieser Welt, doch ich gehöre zu den schlampigsten Läufern im Wald, wo sich doch die Multifunktionswäsche die Klinke in die Hand gibt und ich dazwischen mit zu langer Hose, kaputten Schuhen und der jahrzehntealten Kapuzenjacke von der Schwester (danke Stanzen), die schon zum Pinseln mehrerer Regale herhalten musste und dabei was abbekommen hat, trotzdem mein Alleinstellungsmerkmal bleibt: stets rotes Gesicht und steigende Laune, Franz Ferdinand faucht in cooler Attitüde meine Muskeln an und ich bin me nothing you nothing zehn Jahre jünger, könnt ihr glauben, und wollte ich schon am Flüsschen aufgeben, ist jetzt wieder dieses automatische Gefühl da, die Beine laufen von selber, die Welt wird rosa, mein Elan kennt keine Grenzen, der Matsch fliegt in Fetzen  nach allen Seiten weg, ehrfurchtsvoll knacken die Zweige beiseite, panische Nacktschnecken beißen sich in den Fleece der Hose, aber keine Chance für Schleimer bei mir heute und in Zukunft, ich flitze durch den Herbst und alles ist schön, die Mäuse hecheln ins Unterholz und als Midge Ure von Ultravox die Hymnen der 80er brüllt, hebe ich vom Boden ab, is wirklich wahr, es beginnt zu brummen und ich kreisele plötzlich hoch überm Auwald, die tagesmütterausgeführten Kinder bleibt vor Staunen der Rotz vor der Nase in Straßen stehen, die Walker retten ihr Laufbesteck aus meiner Rennbahn, an der Straße bremsen die Autos für mich, und Johnny Cash singt mir ins Gewissen, langsamer, werd langsamer, es geht bergauf, der Pegel sinkt und in zehn Minuten bin ich heim gekehrt vor den Bildschirm.

So schön...

28.10.2009

... wirds erst wieder in ca. 6 Monaten. Was macht man bis dahin, was schlagt ihr vor...???
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