blogage.de > Ich habs ja geahnt
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Ursprünglich zeigte sich das repetitive Element bei Herrn Schlönske nur im Einfordern der Antworten. Er wiederholte seine Frage so lange, bis er von seinen - meist in Texte vertieften - Eltern eine wuterstickte Antwort bekam. Mit den Jahren verfeinerte er sein Talent. Ganz hoch im Kurs steht zur Zeit die Kunst der Mutmaßung. Beispiel: Wir sehen eine Spinne. Am nächsten Tag ist sie weg. Jetzt mutmaßen wir abwechselnd, wo die Spinne sein könnte: An der Tankstelle oder zum Einkaufen oder sie schläft oder sie baut einen Turm oder sie besucht ihre Spinnenoma oder sie ist zum Netz-TÜV oder beim Frisör oder auf dem Spielplatz oder immer so weiter bis wir zu Hause sind.

Ein anderes Thema bestand darin zu mutmaßen, was andere Kinder von der Dutschi-Fee für ihre Dutschis erhalten haben könnten. Herr Schlönske erhielt ein Schiff. Andere könnten bekommen haben: Ein Auto oder einen Teddy oder Lego oder ein Buch oder einen Kran oder einen Bagger oder Stifte oder ein Bild oder Kirschen oder einen Dino oder...

Seit ein paar Tagen sind wir dabei auszuloten, was man alles nicht essen kann: Ampeln oder Schienen oder Mülltonnen oder Katzen oder Fenster oder Bäume oder Autos oder Betten oder Tische oder Computer oder Hundekacke oder Fliegen oder Zeitungen oder... und manchmal weiß ich einfach nicht mehr weiter.

Neurose...

07.09.2009

... schon etwas älter

... gemeint ist der Vokal A. In Halberstadt, wo ich herkomme, spricht man das Oa so aus (man forme beim Sprechen ein fliehendes Kinn, dann geht es besser). Sprich: Mit boade Boane in oan Oamer un koane Safe, sonne Schaße. Oder ich zitiere aus dem VEB RAW, ein Mitarbeiter der Lagerbrigade Rudi Meister: "Ab fünfe is Schluss mit de Oarbeet, da sachisch beschissn! Da jehts ab nachn Joarten, Bier roanpfoafen." Ganz wichtig auch: Immer ein weiches G: Wo jehtsn hier noach Oaldi? Habisch jefroacht. Ansonsten schlachisch disch de Joacke in Brand, woa! Isch moache disch glaach Lischt ans Rat. Komme du ba mich ba, do...

Nun ja, genug vokalistischen Verbalien. Ganz unerwartet hat das Klassentreffen Spaß gemacht. Es hat sich gezeigt, dass man nicht allein alt wird - ich erinnere an dieser Stelle auch an "Das alte Ding des Monats!" hier im Blog, für das ich mich in diesem Moant angesichts des nahenden Wiegenfestes eintragen werde. - Und siehe da, unsere Klasse hat Jugendwerkhof, Stasi-Spitzel, Psychotherapien, häufige Partnerwechsel (zumindest in Gedanken :O) ), parteiische Lehrer und wilde Partys überlebt, jeder auf seine Weise. Das lässt doch hoffen.

Ella hörte Stimmen. Die Stimmen gehörten den Mieseprechten, ganz kleine Gestalten, die man kaum sehen konnte. Sie hingen im Allgemeinen an den Ohrläppchen und machten ihren Opfern das Leben schwer. Die Mieseprechte wollten immer das Gegenteil von dem, was Ella wollte. Immerzu plagten sie Ella mit ihrem fiesen Geflüster, hetzten sie gegen andere auf, säten Neid und Missgunst.

 

In Ellas Straße wohnte ein Junge. Kevin konnte keiner leiden. Er war dumm, hübsch gleich gar nicht und außerdem todtraurig. Immer zog er ein langes, langweiliges, trauriges Gesicht. Alle hänselten ihn: „Grützspuckenkind“ oder „Hau ab, du Assikind!“ „Kevin ist blöd!“ stand sogar auf den Häuserwänden.

 

Ella tat Kevin leid. Aber jedes Mal, wenn sie mit Kevin spielen wollte, zischten die Mieseprechte los: „Der ist doch saublöd“, sagten sie. Oder: „Wenn du mit ihm spielst, ist die ganze Straße gegen dich!“ Und: „Wer Assikindern hilft, ist selbst ein Assikind.“

 

Eines Tages liefen die Eltern von Kevin verzweifelt die Straße rauf und runter. Sie rochen nicht gut und hatten sich vor lauter Sorge um ihr Kind betrunken.  Laut grölten sie seinen Namen: "Keeeeviiiin!" Ein nachdenklicher alter Mann auf der Straße murmelte in seinen Bart: Sie haben ihr Kind an die Traurigkeit verloren.

 

So war es. Kevin war am Ende so traurig gewesen, dass er sich im Wald der finsteren Gedanken verfangen hatte und dort in das schwarze Loch der Melancholie gefallen war. Und wer da reinfiel, kam nie wieder lebendig heraus, das wusste Ella. Oder doch?

 

 „Du wirst ihn nicht retten!“, schrieen die Mieseprechte in Ellas Ohr. „Das ist eine Falle! Kevin will dich in den Wald der finsteren Gedanken locken und dich selbst in das schwarze Loch der Melancholie stürzen."

„Haben sie recht“ fragte sich Ella ängstlich? Sie weinte nächtelang in ihr Kopfkissen. Und eines Tages war sie so traurig, dass sie selber im Wald der finsteren Gedanken stand. Von den dicken Trauerweiden ragten knorrige Äste wie mahnende Finger in den Weg. Die Sterne, die sich über dem Wald versammelt hatten, trugen ein dickes graues Fell. Einzelne Augen huschten über dem Moos hin und her. Bei jedem Schritt schmatzte und gurgelte es. Ella hatte furchtbare Angst. Die Mieseprechte flüsterten ihr ins Ohr: „Das hast du nun davon, du dumme Kuh. Aber noch kannst du umdrehen. Lass doch den dussligen Kevin in dem Loch verschimmeln!“

 

Sich die Ohren zuhaltend gelangte Ella bald ans Ziel. Sie legte sich flach auf den Bauch, robbte an den Rand des Lochs und riskierte einen Blick in den tiefen Schlund. Sie konnte lautes Zischeln und Stöhnen aus dem Loch hören. Die Wände des Lochs waren glibberig und schwarz und stanken widerwärtig. Ella kroch noch ein Stück vorwärts.  Da verlor sie den Halt und stürzte auch in das schwarze Loch!

 

Tiefer, immer tiefer ging es in den Schlund der Melancholie hinein. Die unbeschreibliche Macht der Traurigkeit begann von Ella Besitz zu nehmen. Ständig kämpfte sie mit den Tränen, ihr Kopf erschien ihr schwer, ihre Gedanken dunkel. Alles was ihr vorher wichtig gewesen war, löste sich in Leere auf. Ella verlor jeden Willen und jeden Tatendrang. „Ich sterbe“, flüsterte sie. Plötzlich packte jemand ihren Arm. Das war Kevin, der auf seinem Vorsprung kniete und mit letzter Kraft Ella festhielt.

 

 Lass dich nicht von den ungeheuren Stimmungen hier unten auffressen", sagte Kevin ernst zu Ella. Er legt sich Ellas Arme um den Hals und begann den Aufstieg. Mit einem vor Kraftanstrengung entstelltem Gesicht arbeitete sich Kevin an der steilen, stinkenden, glibberigen Wand des schwarzen Lochs empor. Er stieß seine Faust bis zum Ellenbogen in die fauchende Masse, um irgendwie Halt zu kriegen. Tränen der Erschöpfung jagten über seine Wangen. Ella hielt von hinten sein Herz fest, damit es nicht aus seiner Brust sprang. Nach endlosen Stunden tauchten plötzlich ihre Köpfe wieder über dem Rand des Lochs auf. Das schwarze Loch der Melancholie rülpste laut.

 

 

Demodex folliculorum - die Haarbalgmilbe besiedelt die HaarfollikelTalgdrüse und zwar vorzugsweise im menschlichen Gesicht, aber auch in den Brüsten, gelegentlich in den Knien, auf der Zunge und der Vorhaut. Sie ernährt sich von Talg. Mhhhhhh, was für ein putziges Tierchen.Demodex folliculorum ist mit zunehmendem Alter bei fast jedem Menschen anzutreffen und normalerweise ein harmloser Kommensale (dt: Tischgenosse). Also ab 30 Jahre ist man zunehmens attraktiv für die Haarbalgmilbe. Da beklage sich noch einer über mangelndes Interesse!

http://de.wikipedia.org/wiki/Demodex_folliculorum

Methusalemchen

01.09.2009

Was mag es sein?

Geschlechterkampf

30.08.2009

Herr Urz und Frau Pupse sind 8 und 7. Die schönen Namen gaben sie sich bereits im Vorschulalter. Das ist nämlich lustig, wenn man wie stinkende Luft heißt.

Dabei haben Pupse Kinder schon oft zu Philosophischen angestiftet. Ein Kind aus meiner ungewöhnlich weitläufigen Verwandschaft konstatierte ernst: "Pupsen ist halbschön." Und das stimmt! "Wenn man pupst", erklärte er, "weicht der Druck und es ist angenehm. Aber dann stinkt's, und es ist nicht mehr so schön." Also: Halbschön. Was zu beweisen war.

Herr Urz und Frau Pupse sind noch jung an Jahren, aber reich an Eheerfahrung. Den ersten Tag lieben sie sich, am zweiten beginnen sie, sich aus dem Weg zu gehen und am dritten kracht's. Da kann dann auch die gerade per BUGA hergerichtete thüringische Landschaft nichts mehr besänftigen. Herr Urz stampft mit bockig verschränkten Armen über die Wiese, das Gesicht zur Bommel geflochten. Nein, eigentlich ist es schon ein Panzer, den er im Gesicht trägt. "Herr Urz, was gibts" erkundigen sich die Erwachsenen sonntagslahm. Herr Urz: "Die heult schon wieder." Dann kommt Frau Pupse weinend, aber nicht minder bockig angeschlichen. Schluchzend erklärt sie: "Der führt schon wieder andere Mädchen im Schilde."

So erfährt eine noch so junge Beziehung militärische Konnotation. Von wem sie das nur haben?

Vorlesen ist wichtig für Kinder. Sie werden davon schlaue Kerlchen und lernen die Tücken der Welt der kennen. Der kleine Herr Schlönske ist dreieinhalb, sein größter Held ist die Lokomotive, genannt Locke. Alle prämierten und ausgezeichneten Bücher sind null und nichtig, wenn er zufällig auf unseren uralten Flohmarkt-Klassiker stößt: Dampflokomotiven, Verlag Slovart, 1985

Und so lesen wir also: IVK 1892, 4 Zylinder, Verbundmaschine, Nassdampf, 750mm (S. 94): "Die Vierzylinder-Verbundmaschine fand nicht nur bei Schnellzuglokomotiven Anwendung, sondern auch für Lokomotiven auf Strecken mit scharfen Kurven (olala). Das gegliederte Drehgestell der Lokomotive bot geradezu den Einsatz der Verbundmaschine an. Das Sytem Günther-Meyer verbreitete sich nur in Sachsen auf der Normalspur (welch ungeahntes Lokalkolorit!). Am bekanntesten wurden Schmalspurlokomotiven, die bereits das zehnte Betriebsjahrzehnt erlebten."

 

An dieser spannenden Stelle bricht Herr Schlönske ab und entscheidet sich gegen die geliebte Locke und doch für den Klassiker: Die Hex will eine Reise machen. Herr Schlönske ist also nicht verbohrt, sondern geistig durchaus sehr beweglich, und das so kurz vor der Nachtruhe. Ich bin sehr froh.

 

 

Die Kurzschnabel-Berg-Amsel verfolgt kleine Jungs und ihre Schulranzen. Obwohl die Kurzschnabel-Berg-Amsel kleine Jungs mit Schulranzen hasst. Was ist also ihr Motiv???

Sie klaut ihnen heimlich die Butterbrote aus dem Ranzen. Obwohl sie Butterbrote hasst, natürlich. Mit ihrem Kurzschnabel schabt sie unentdeckt die Butter von den Broten und trägt sie in ihr Nest. Dort hat sie nicht Besseres zu tun, als sich die Butter an den Hintern zu schmieren und dann bebuttert die Berge rauf und runter zu rutschen und dabei irrsinnig zu brüllen: "Zum Kuckuck und wie ich das liebe!!!!" Und, was ist Dein Laster?

Als Hugo genüsslich am Lutscher leckt

Mama den Zeigefinger in die Höhe reckt:

"Hugo, Hugo, den Zucker lass sein,

sonst freut sich bald das Zahnwehmännlein!"

Als Hugo sich faul vor dem Fernseher räkelt

Papa sofort in der Tür steht und mäkelt:

"Befrei dein Zimmer von Chaos und Dreck,

sonst frisst das Spielemonster dein Spielzeug weg.

Als Hugo sich mit der Carmen zankt

kommt Opa Heinrich angewankt:

"Seid artig und benehmt euch nicht wie Rinder,

sonst kommt der wilde Mann und der frisst Kinder!"

 

Am Abend hat Hugo die Verbote satt,

ist froh, als er die Tür hinter sich geschlossen hat.

Doch was sehen seine Augen -

Hugo kann es gar nicht glauben.

Artig aufgereiht und vom ersten Eindruck nett,

sitzen Zahnwehmännlein, Spielemonster und wilder Mann auf seinem Bett.

Die Schrecken der Kindheit sind sichtlich verdrossen,

als hätten sie ihren Job nie genossen!

 

Wütend spricht Zahnwehmännlein voller Groll:

"Hab vom Löcher-in-Zähne-Fressen die Schnauze voll!"

Spielemonster heult und beginnt kläglich zu krähen:

"Fremdes Spielzeug kann ich gar nicht mehr sehen!"

Und der schreckliche wilde Mann

vor Kummer kaum noch gerade sitzen kann.

Die Drei bilden ein Bild zum Gotterbarmen,

Hugo eilt und holt seine Freudin Carmen.

 

Etwas ratlos stehen die Beiden,

vor den finsteren Gestalten, die leiden.

"Leute", ruft Hugo, "Trinkt nene Schluck Brause,

was ihr braucht, das ist ne Pause!"

Jeder braucht ne Auszeit, zumindest ab und zu,

sonst kommt die Seele gar nicht mehr zur Ruh.

Sicher passieren ganz famose Sachen,

wenn finstere Gestalten mal was ganz anderes machen.

 

Hugo und Carmen führen die Drei

in eine benachbarte Zuckerbäckerei.

Zahnwehmännlein spürt das unendliche Glücksgefühl

von Schokolade auf der Zunge und Eis, ganz kühl.

Er schmeckt und leckt und es wird ihm ganz heiß:

"Es wurde Zeit, dass auch ich von diesem Aroma weiß!"

Die Tränen fließen, die Anspannung verschwindet.

Jetzt weiß er, was Schokolade und Kinder verbindet.

 

Hugo sagt: "Es steigert das Wohlbefinden beträchtlich,

wenn man ab und zu bei Freunden nächtigt."

Das ist der Monster-Urlaub zweiter Schritt.

Sie traben los und nehmen alle mit.

Bei Carmen im Zimmer entdeckt Spielemonster, vor Schreck ganz still

einen rieseigen Müllberg - wenn man so will.

Carmen zieht darauf ein wichtiges Gesicht:

"Du kennst wohl die Chaostheorie noch nicht?"

Von dem Baustein-, Teddy- und Autogewimmel

kriegen nur Erwachsene den Aufräumfimmel.

Aber eigentlich kann man nur drüber lachen,

denn im Leben finden sich alle Sachen.

Auf einmal gibt es ein lautes Geheul und Geschrei,

wilder Mann klatscht Spielemonster eine, oder auch zwei

"Das ist mein Stuhl, hier saß ich,

Gemeinheit und deshalb beiß ich dich!"

"Bleibt ruhig", Hugo streichelt die beiden am Kopp.

"Wir machen doch Urlaub von unserm Job."

Aus seiner Haut heraus kommen ist nicht leicht.

Nur wenn man übt, wird man Meister - vielleicht.

Ihr könnt es an euren Eltern sehen.

Wer auf Dauer verkrampft, wird unbequem.

 

Die Fünf einigen sich auf Ruhe und Frieden,

man beginnt das Versteckspiel innig zu lieben.

Das Zahnwehmännlein sich vor Lachen verschluckt,

weil niemand ihn findet, obwohl sein Bein hervorguckt.

Spielemonster murmelt als Erster ins Ziel.

Hugo lobt ihn, das hilft immer viel.

Carmen massiert derweil einen wilden Rücken.

Das tut den dazu gehörigen Mann entzücken.

Doch dann ist Zeit für den Abschied gekommen.

Die Freunde haben sich in den Arm genommen.

Wie immer werden jetzt die drei finsteren Gestalten

die Ordnung, das Betragen und Naschen verwalten.

Hugo und Carmen winken und sagen Adé:

"Denkt dran, ab und zu ein Urlaub, das tut nicht weh."

Zahnwehmännlein spricht, als Hugo in ein Bonbon beißt:

"Wir werden uns noch hören, nur damit du's weißt."

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